Bewusstsein Realität Coaching

Warum wir die tatsächliche Realität nicht kennen

Menschen mit einem gewissen Wunsch, wie etwa ein bestimmtes Auto zu besitzen, sehen auf einmal überall im Strassenverkehr das Auto, welches sie sich wünschen. Oder wenn beispielsweise der Hunger auftaucht, ist da plötzlich eine intensive Wahrnehmung von leckeren Essensgerüchen. Jeder kennt solche Situationen, in denen bestimmte Sinnesreize alles andere überlagern. Tatsächlich sind da aber nicht auf einmal mehr von den geliebten Autos oder mehr appetitliche Gerüche. Es gibt eine simple Erklärung für dieses Phänomen: Das menschliche Gehirn beeinflusst die individuelle Wahrnehmung, indem es Wichtiges von Unwichtigem trennt. Ist eine Person auf etwas fokussiert, nimmt sie dieses in ihrer Umgebung stärker wahr und ignoriert anderes eher mehr. Die meisten Menschen sind davon überzeugt, die tatsächliche Realität objektiv wahrzunehmen und verlassen sich darauf, dass die von den Sinnen gelieferten Reize, ihnen die effektive Realität vermitteln. Das ist jedoch nicht wirklich der Fall. Die Sinnesreize werden in ihrer Verarbeitung vom Gehirn mit bestehenden Mustern abgeglichen und dabei wird unwesentliches herausgefiltert. Es wählt automatisch – für den Menschen unbewusst – aus, welche Informationen es verarbeitet. Infolgedessen ist sich ein Mensch nicht der realen Umwelt bewusst, sondern einer durch den persönlichen (Wirklichkeits-)Filter erzeugten Umwelt. Man nennt dies die „Selektive Wahrnehmung“.

Viele Aspekte erzeugen die selektive Wahrnehmung: Eigene Interessen, Erfahrungen, Überzeugungen, Glaubenssätze und Erwartungen sowie die Erziehung u. a. Die Kriterien, gemäss denen das menschliche Gehirn beurteilt, was es als relevant und was es als irrelevant einstuft, ist individueller Natur. Es sucht dabei ständig nach bekannten Mustern, denn diese lassen sich effizienter einordnen und interpretieren. Unbekannte oder unwichtig erscheinende Informationen, die nicht in die eigenen Deutungsmuster passen, bekommen dabei einen geringeren Stellenwert und werden vernachlässigt oder ignoriert. Diese Aufmerksamkeitsblindheit, wie sie in der Neuropsychologie auch genannt wird, ist in der Funktionsweise des Gehirns begründet: Auf diese Weise kann es eine Überlastung vermeiden und sich selbst schützen. Denn ohne diesen Schutzmechanismus würde der Mensch die Informationsfülle, mit der er ständig konfrontiert wird, gar nicht komplett verarbeitet können.

Das sogenannte Kanizsa-Dreieck liefert für selektive Wahrnehmung und die Aufmerksamkeitsblindheit ein gutes Beispiel. Im obigen Bild ist ein weisses Dreieck über einer ebenfalls dreieckigen Fläche mit schwerzer Umrandung und drei Kreise zu sehen. Bei genauerem Betrachten wird klar: Es ist kein weisses Dreieck abgebildet, sondern drei Kreise, aus denen jeweils eine Ecke, wie ein Kuchenstück, herausgeschnitten wurde. Diese passende Anordnung der Formen lässt eine Dreieckskontur entstehen, wo gar keine ist. Das menschliche Wahrnehmungssystem vervollständigt die Dreiecksgestalt automatisch, indem es die scheinbar fehlenden Umrisslinien hinzufügt. So kreiert das Gehirn die bekannte Form des Dreiecks und filtert die Tatsache, dass die Kreise angeschnitten sind weg. Drei angeschnittene Kreise, frei platziert, ergeben in diesem Fall für das Gehirn keinen Sinn.

Das Konstruieren eines Bildes im visuellen Kortex geschieht sehr effizient. Anhand von Erfahrungen, des Erinnerungsvermögens und durch Annahmen sowie Schlussfolgerungen rekonstruiert das Gehirn das Bild mental. Manchmal, wenn visuelle Informationen Fehlerhaft sind, wie etwa bei einem Wort, bei dem die Buchstaben vertauscht sind, füllt beziehungsweise korrigiert das Gehirn die Fehler, indem es analytisch im Gedächtnis nach Möglichkeiten sucht, dem Gesehenen einen Sinn zu verleihen. Beim Lesen des folgenden Textes zeigt sich sehr deutlich, wie schnell unser Gehirn alles in einen logischen Zusammenhang bringt und dem Leser einen verständlichen Inhalt präsentiert.

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Das nächste Beispiel verdeutlicht dies in einer noch extremeren Variante.

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Ebenso wie in den Beispielen vollzieht das Gehirn seine selektiven Schlussfolgerungen auch in zwischenmenschlichen Aspekten. Erlebnisse die wir haben und die Auslegung des Erlebten entsprechen nicht der eigentlichen Realität. Es sind Interpretationen gegründet auf dem Fundament unserer Erfahrungen und dem Wissen, über das wir verfügen. Das Gehirn gestaltet unbewusst die Welt und das Erleben für uns anhand der biologischen Datenbank. Dabei entstehen unvollständige und fehlerhafte Einschätzungen bezüglich Menschen, Erfahrungen, Situationen und Tatsachen. Jeder Mensch erlebt seine ganz eigene Interpretation der scheinbar realen Welt. So viele Menschen wie es gibt, so viele unterschiedliche Welten existieren.


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