Herz der Wirklichkeit

Herz der Wirklichkeit

Die einfache Erkenntnis der absoluten Abwesenheit.
Oder: Die Wiederentdeckung des Offensichtlichen.

In der Wiederentdeckung des Offensichtlichen wird gesehen, dass die Person, also das Zentrum des Selbstempfindens und der mentalen Prozesse, nicht das ist, was ich in Wirklichkeit bin, und auch alle scheinbar anderen nicht sind. Es wird klar erkannt, dass das „Ich“ lediglich ein Phantom ist, dass da ein scheinhaftes Funktionieren von Identifizierung mit Gedanken, Gefühlen und allem objekthaften geschieht. In dieser Identifikation wird die offensichtliche Tatsache übersehen, dass da in Wirklichkeit nicht ein Jemand (Ego), also ein Individuum Erfahrungen macht, sondern, dass Erfahrungen einfach geschehen (für niemand). Person-Sein ist bereits eine (unpersönliche) Erfahrung die im Bewusstsein geschieht. Da ist nur Bewusstsein.

HINWEISE AUF DAS UNBESCHREIBBARE

Wenn ich vom Herz der Wirklichkeit spreche, so ist dies ein Hinweis auf das Geheimnis und Wunder des Seins, auf das selbstexistierende und ungeschaffene Absolute, das niemals als etwas Begreifbares gekannt werden wird. Und genau darin liegen die unerschöpfliche Schönheit und der unerschütterliche Friede.

Es gibt viele Worte dafür; einige nennen es Gott oder Allmacht, andere sagen dazu Bewusstsein, das Höchste, Parabrahman oder das höchste Selbst, das Absolute, Sein usw. Sprache jedoch verdinglicht das, was im Urgrund seines Seins Nicht-Ding ist. Oftmals wird ihm direkt oder indirekt auch Wesenhaftigkeit verliehen. Alles Wesenhafte ist jedoch phänomenal – also eine vorübergehende Erscheinung. Das Herz der Wirklichkeit ist absolute Selbstlosigkeit, also frei von einem Selbst – kein Wesen, kein Ding.

Diese absolut selbstlose Abwesenheit ist das einzige, das es gibt, welches als wahre Wirklichkeit bezeichnet werden könnte. Denn nur die totale Abwesenheit ist absolute Unveränderbarkeit, ist frei von Bedingung und daher zeitlos echt. Dieser zeitlose, selbstlose und zustandslose Zustand – diese Leerheit – ist in seinem Sosein zugleich absolute potenzielle Fülle und die totale Anwesenheit von allem was es gibt – Jetzt. In seiner Anwesenheit formierte es sich zu Etwas, es verdinglicht sich. Es ist trotz seiner Dinghaftigkeit beziehungsweise seiner Verwirklichung in seiner Essenz immer noch substanzlos – Nicht-Etwas, das sich als Etwas manifestiert. Alles erkennbar Seiende ist quasi ein traumhaftes Sein oder wie eine Fata Morgana, die man wohl sehen kann aber in Wirklichkeit ist da nichts. Es ist ein Mysterium.

DAS, was IST, was wahre Wirklichkeit ist, kann tatsächlich nicht in Worte gefasst werden, man kann nur darauf hinweisen. Da das selbstexistierende und ungeschaffene Absolute das einzig existierende ist und somit Nichts und Alles, ist es auch mich und dich. Es ist das (alles), was ist. So bin ich wie auch du und alle anderen (als Person, als ein Objekt) im Grunde unseres Seins ES – DAS, was IST – das Herz der Wirklichkeit. So ist es auch das einzige untrennbare Bewusstsein, das sich scheinbar in unzählige Psycho-Physische Gestalten, als aus sich selbst heraus seiende Wesen, hineinglaubt – oder träumt. Es erlebt dadurch scheinbare, relative Persönlichkeit. Die Person, das entstehende Ego ist und bleibt aber eine Täuschung. Das Ego, das glaubt eine Person zu sein, ist in Tat und Wahrheit das selbstexistierende und ungeschaffene Absolute selbst, das als dieser Glaube erscheint. So ist ES mich wie auch dich und du sowie ich sind ES. Unser relatives Sein ist vergleichbar mit einem Schatten. In Wahrheit sind wir, bin ich das, was Schatten und Licht ermöglicht. Es gibt nur das ungeschaffene Eine. Zweiheit beziehungsweise Vielheit ist ein fantastisches Blendwerk. Dies zu sehen bedeutet Friede und Freiheit.

Der Denker entsteht gemeinsam mit dem Denken. Eine vom denken unabhängige Instanz, die denkt, gibt es in Wahrheit nicht.

Es passiert, dass das selbstexistierende und ungeschaffene Absolute sich in seiner Verwirklichung als Bewusstsein auf sich selbst richtet und sein unfassbares Absolutsein erkennt. Es geschieht im relativen Traum der Verwirklichung die Ein-Sicht, dass es kein getrenntes Sein geben kann, ausser als eine scheinbare Realisation seiner selbst. Das eine ungetrennte Sein wird sich gewahr, dass es nicht Bewusstsein hat, sondern die Realisation von Bewusstsein ist. In seiner absoluten Essenz ist es vor Bewusstsein schon das, was-immer-es-ist und bevor es sich des Gewahrseins gewahr ist, ist es das, was es ist – das Unkennbare und Unfindbare einzig Seiende. Es ist aber nicht so, wie durch das oben Beschriebene hergeleitet werden könnte, dass das absolute Sein von einem Zustand in den nächsten wechselt. Es ist alles zugleich, da geschieht keine Entwicklung – Entwicklung existiert nur scheinbar, innerhalb der Verwirklichung von Bewusstsein. Das selbstexistierende und ungeschaffene Absolute ist im ursprünglichen Zustand unverändert DAS, was IST – mit und ohne die Verwirklichung seiner selbst. Es ist unkennbare ISTHEIT oder SOHEIT.

Im Augenblick der klaren Schau des Soseins, wird gesehen (von niemand), dass es total offensichtlich ist. Es ist ein absoluter Perspektivenwechsel. Es ist die luzide Wiederentdeckung des Offensichtlichen – des Selbverständlichen. Es ist die einfache Erkenntnis dessen, was ich bin, was der Urgrund von allem ist. Ich blickte mitten ins Herz der Wirklichkeit. Es ist absolut Nichts und doch Alles, es ist die einzig wahre Wirklichkeit, aber abwesend – es ist mein selbst-loses Selbst. Es ist aber nicht „mein“ Selbst im persönlichen Sinne – da ist kein Besitzer. Es ist ein absolutes Selbst, das einzige Selbst, das Selbst, das auch jeder andere ist – unpersönlich und abwesend.

Es ist so total offensichtlich! Es zu entdecken steht jedem scheinbaren Individuum vollkommen offen. Es hat aber nichts mit Wissen zu tun, es ist vielmehr eine Schau als ein Verstehen. Es benötigt dazu absolut keine Vorkenntnisse oder irgendwelche Bedingungen. Jeder kann es sehen, wenn es gesehen werden will. Es ist eine 180 Grad Wende in den zeitlosen, personenfreien, raumlosen Raum. Jenseits des Verstandes, des Greifbaren, da wo keiner ist, da bin ich, da bist du, da sind wir ein und dasselbe selbstlose Selbst. Da ist einfach nur Sein – DAS, was IST, das, was du nicht nicht sein kannst – Abwesenheit.

Schau hinein in den zeitlosen, personenfreien, raumlosen Raum und sieh das leerste aller Königreiche – DAS ist ES.

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NICHTS IST SO, WIE ES (ER-)SCHEINT​

In der Trunkenheit vom Leben, berauscht vom eigenen Sein, kollabiere ich durch das Blendwerk hindurch in die Absolutheit meiner Selbst. Spiel der Lichter, schattenhafte Lebendigkeit und …