Illusion Bewusstsein Realität Wirklichkeit

Der geträumte Jemand

Bestimmt hattest du auch schon einen oder mehrere Träume, die dir richtig real erschienen sind. So real, dass du während dem du träumtest, nicht den kleinsten Hauch einer Ahnung hattest, dass es sich bei der Traumgeschichte nur um eine Illusion handelt. Obwohl in den Träumen viele Dinge total irreal erscheinen können, empfinden wir es während des Träumens als vollkommen legitim. Auch die Traumfigur, als welche wir im Traum erscheinen, ist für uns authentisch, egal, ob sie sich vielleicht als dieselbe Person zeigt, die wir im Wachzustand sind oder gar ganz anders, etwa als König, Gangster oder als Held. Die Eindrücke, die wir in so einem Real-Traum erleben sind in Qualität und Beschaffenheit nicht vom wirklichen (Er-)Leben zu unterscheiden. Wir Empfinden alles wie gewohnt mit unseren 5 Sinnen als absolut echt. Im Traum gibt es nicht nur bildhafte Objekte, Orte, Menschen und Tiere, sondern es existieren auch Zeit und Raum, genauso wie im Wachbewusstsein. Die Menschen haben unterschiedliche Charaktereigenschaften, zu bestimmten Orten existieren sogar Erinnerungen an scheinbare Erlebnisse und es gibt Vergangenheit sowie Zukunft. Wir erleben im Traum dem Anschein nach Fortschritte, empfinden Freude und Schmerz und sehen Geburt und Tod.

Solange der Traum anhält, wird nicht gewusst, dass ein Traum in unserem Bewusstsein läuft. Erst im Erwachen aus dem Traum erkennen wir die erträumte Welt und das Geschehen als Fiktion. So, wie die ganze Traumgeschichte von null auf nichts als ein Ganzes aufgetaucht ist, entschwindet sie auf einen Schlag wieder als Ganzes. All die scheinbar grossartigen oder bedrohlichen Gegebenheiten, die wir ernsthaft zu erleben glaubten, lösen sich einfach in Nichts auf und sind bedeutungslos. Alle die als echt erfahrenen Gefühle, Gedanken, Freuden und Probleme werden im Erwachen aus dem Traum als das durchschaut, was sie sind – pure Illusionen. Auch das im Traum erlebte Ich-Bewusstsein, etwa als Strassenmusiker oder als Selfmade-Millionär, löst sich natürlich ebenso mit allen darin enthaltenen Persönlichkeitsstrukturen auf.

Wäre in unserem Traum eine Traumfigur an uns herangetreten und hätte uns darauf hingewiesen, dass wir nur am Träumen sind, dass das, was wir gerade erleben und wer wir glauben zu sein, alles nur scheinbare Realität besitzt, hätten wir uns wahrscheinlich kopfschüttelnd von ihm abgewendet. So ein Blödsinn, was der da erzählt, hätten wir womöglich gedacht, denn was wir erleben, fühlt sich in diesem Moment für uns absolut real an – auch wenn es tatsächlich nur eine Traumwelt ist. Im Augenblick des Erwachens jedoch, wird uns sofort klar, dass er mit seinem Hinweis richtig lag.

So ähnlich wie im genannten Beispiel zeigt sich die Angelegenheit auch im vermeintlich realen Leben. Wer du (noch) glaubst zu sein, entspricht nicht der eigentlichen Wirklichkeit. Das Ich-Bewusstsein ist ein Trugschluss – eine Fata Morgana! Der Mensch besitzt kein Bewusstsein. Bewusstsein erfährt sich als Mensch. So, wie der Träumer in Tat und Wahrheit nicht die erlebte Traumfigur ist, so ist Bewusstsein in Wirklichkeit nicht das empfundene Ich-Bewusstsein. Und so ähnlich, wie der Träumer die ganze Traumwelt in sich entstehen sieht, zeigt sich die erfahrbare Welt im und durch das eine Bewusstsein, das wir sind (welches ist). Das „Ich“ ist lediglich ein Gedanke beziehungsweise ein Gedankenkonzept, welches zudem „irrtümlicherweise“ als mit dem körperlichen Grundgefühl der Anwesenheit gekoppelt empfunden wird. Diese Identifikation mit Gedanken und Gefühlen, die zur Idee einer persönlichen Anwesenheit führt, hat illusorischen Charakter – ist traumhaft. Wir Menschen denken, fühlen und handeln nicht durch willentliches Tun oder Unterlassen, auch wenn es so erscheint. Gedanken und Gefühle sind funktional bedingte Sensationen die (uns) geschehen (ob wir wollen oder nicht) und daraus resultieren, in Einbeziehung der Umwelteinflüsse, Handlungen. Ein Ich oder ein Jemand, der frei wählen und entscheiden kann, ist da nicht mit im Spiel – ausser als virtuelle Vorstellung. Da ist kein wirkliches Ich als ein unabhängiger Jemand welcher selbstexistierend ein willkürliches Leben führt. Da ist in Wirklichkeit nur Bewusstsein.

„Der Denker entsteht gemeinsam mit dem Denken. Eine vom Denken unabhängige Instanz, die denkt, gibt es in Wahrheit nicht.“

Bewusstsein als solches ist nicht wahrnehmbar. Bewusstsein ist einfach. Anstelle des Begriffs Bewusstsein, kann zur Erläuterung auch das Wort Wahrnehmung benutzt werden. Wahrnehmung als solches nimmt sich selbst nicht wahr. Man könnte sinnbildlich sagen, dass die Wahrnehmung als solche das Gefäss oder der Raum ist und das Objekt der Wahrnehmung ist dessen Inhalt – das, was im Wahrnehmungsraum auftaucht.

Gedanken und Gefühle sind objekthaft, denn sie werden wahrgenommen – im Wahrnehmungsraum. Auch der Körper und die durch seine Sinne entstehende Interpretation der Welt ist eine Sensation im Wahrnehmungsraum. So sind da also zwei Aspekte, die Wahrnehmung und der Wahrnehmungsinhalt. In Wirklichkeit sind die zwei Aspekte aber nicht verschieden voneinander, diese Spaltung dient lediglich der Erklärung der scheinbaren Funktion, dessen was ist. Es verhält sich gewissermassen wie bei einer Münze. Die Münze hat ebenfalls zwei Aspekte; sie hat eine Kopf- und eine Zahlseite. Jedoch sind beide Seiten ein und dasselbe, sie sind Münze. Bewusstsein als solches und das, was im Bewusstsein auftaucht, sind also nicht verschieden, es ist DAS-was-IST – Sein. Das einzige was dich diese Tatsache womöglich nicht durchschauen lässt, ist die irrtümliche Identifizierung mit der scheinbaren Objekthaftigkeit, die du als Bewusstsein erfährst. Es ist der Glaube an die Persönlichkeit, die simuliert wird, der sich auflösen muss – durch Dekonditionierung –, um zu sehen, wie es wirklich ist.

Es gibt nur Bewusstsein, sonst nichts.


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