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Das Leben ist alles ausser kontrollierbar

Vielleicht fragst du dich nun gerade, nach dem Lesen des Beitragtitels, was ich mit der Aussage „das Leben ist alles ausser kontrollierbar“ genau meine, was dies zu bedeuten hat? Es bedeutet genau das, was es besagt – nicht mehr und nicht weniger. Womöglich denkst du jetzt, dass dies vollkommener Blödsinn ist, dass das Leben sehr wohl kontrollierbar ist!? Ist es nicht! Wie ich zu diesem Schluss komme, erläutere ich dir nachfolgend sehr gerne, und wenn du ehrlich mit dir selbst bist, wirst du dir nach dem Lesen eingestehen müssen, dass die aufgezeigte Sichtweise nicht verkehrt ist.

Im Allgemeinen glauben die meisten Menschen, dass Sie über das Leben beziehungsweise über bestimmte Lebensumstände und Lebenspläne Kontrolle ausüben können. Sie gehen felsenfest davon aus, Situationen oder Vorhaben können durch sie selbst unabhängig beeinflusst werden, etwa mit genügend mentaler Fokussierung, dem nötigen Engagement oder mit ausreichenden Investitionen anderer Art. Aus einer bestimmten Perspektive betrachtet ist diese Annahme auch total legitim. In Tat und Wahrheit aber scheint es nur so, als ob wir – du – etwas kontrollieren könnten.

Um Kontrolle auf einen Umstand ausüben zu können, benötigt es den Kontrolleur, das zu Kontrollierende und das Kontrollieren selbst, als Akt des Tuns. Wer aber ist der eigentliche Kontrolleur, wie kommt es zum Kontrollieren und was geschieht genau beim Kontrollieren? Hast du dies schon jemals untersucht? Aus der Persönlichkeits- oder auch Ich-Perspektive erscheint es so, als ob eine Person auf Umstände und Ereignisse mit bewusster Entscheidung individuell einwirken kann. Da ist also ein Handelnder, der handelt. Das Wahrnehmen aus der Ich-Perspektive ist die gängigste Form des Wahrnehmens. Sie wird eher selten hinterfragt und untersucht, da der allgemeine Fokus des Menschen auf die objektive Welt gerichtet ist. Ich-Perspektive bedeutet im Glauben zu Leben, dass ein Jemand, ein Handelnder – ein Ich – im Körper steckt, der einen freien Willen sein Eigen nennt und über autonome Handlungsfähigkeit verfügt. Das ist ein Trugschluss! Über diese Aussage bist du jetzt vielleicht entrüstet, aber so ist es nun einmal – aus meiner Perspektive sehe ich dies klar und deutlich. Womöglich erkennst es auch du oder vielleicht bist du offen für diese Entdeckung? Natürlich erscheint es auf den ersten Blick so, als ob wir einen freien Willen und Handlungsfähigkeit besitzen, bei genauerem Untersuchen jedoch, zeigt sich etwas ganz anderes. Es lässt sich entdecken, dass der geglaubte Jemand, das Ich, ein Phantom ist. Phantom bedeutet: Eine unwirkliche Erscheinung im Sinne eines Trugbildes. Wie kommt dieses Trugbild zustande? Ganz einfach durch die irrtümliche Identifikation mit psychologischen und physiologischen Sensationen. Durch die Gleichsetzung mit dem Denken und Fühlen – mit dem Wahrgenommenen. Doch wer identifiziert sich damit, wirst du dich möglicherweise fragen. Ich werde es dir sagen.

NIEMAND.

Verstehst du das jetzt womöglich nicht so klar? Kein Problem! Da gibt es auch nichts zu verstehen. Wieso gibt es da nichts zu verstehen, fragst du vielleicht. Weil das eigentliche „Verstehen“ jenseits des Verstandes liegt. Es ist quasi ein Verstehen durch Nicht-Verstehen. Lass es uns weiter untersuchen, indem wir das Thema Verstand genauer durchleuchten. Was ist eigentlich der Verstand? Der Verstand ist genau genommen ein Konzept, eigentlich gibt es kein Ding namens Verstand. Was wir feststellen können, ist, dass wir im Bewusstsein einzelne Gedanken auftauchen sehen können. Die Gedankenform an und für sich ist ein „Gefäss“ für informativen Inhalt. Gedanken kommen und gehen. Also kommt und geht auch die Information, die sie mit sich tragen. Der Prozess des Denkens ist das Auftauchen einer Abfolge einzelner Gedanken. Diese beziehen sich auf die scheinbare Innen- und/oder Aussenwelt. Miteinander vernetzte Gedanken sind quasi Gedankenbündel. Gedankenbündel – Informationsbündel – sind Konzepte. Die Geschichten, die Gedanken erzählen besitzen keine absolute Realität, ausser als Tatsache, dass sie im Bewusstsein erkennbar als Gedankenform auftauchen. Denken ist ein virtueller Lern- und Gestaltungsprozess, initiiert durch Sinneseindrücke. Gedanken repräsentieren niemals die Wirklichkeit, sondern sind immer nur relativierte Abbilder oder Fantasie. Gedanken werden nicht durch „dich“ erzeugt. Denken geschieht – ohne „dich“.

„Der Denker denkt nur, dass er denkt. Er entsteht selbst durch den Prozess des Denkens. Ich, das ist nur ein Gedanke und die überlagerte Identifikation mit ihm.“

Das kannst/willst du nicht glauben? Dann lass es uns weiter untersuchen. Wenn du dein Denken steuern könntest, wenn du selber entscheiden könntest, wann und was du denken möchtest, weshalb hast du dann manchmal negative und destruktive Gedanken? Weshalb wählst du für dich nicht, von morgens bis nachts nur positives, sinnvolles und erbauliches zu denken, und dies jeden Tag? Wieso plagen dich ab und an Gedanken des Zweifels, wenn du doch den freien Willen besitzt, zu denken was du willst? Und wo bitteschön, ist deine Gedanken-Bibliothek, in der du dein Gedankengut bewusst überblicken kannst, um dir die passenden Gedanken daraus auszusuchen? Was wirst du als Nächstes denken (wollen)? Wie kommt’s, dass du gerade diesen Gedanken denkst, den du jetzt denkst? Es sind die Impulse durch diesen Text, die jetzt dein Denken beeinflussen. Denken geschieht nicht unabhängig von etwas, es bezieht sich immer auf etwas. Aber einen Bezug zu „dir“ gibt es nicht, ausser als Vorstellung. Denn „dich“ gibt es nicht! Ein „Ich“ ist nirgends zu finden. „Ich“, das ist lediglich ein Gedanke, mehr nicht. Finde dein Ich! Da ist nur Bewusstsein, in dem der Ich-Gedanke (das Ich-Konzept) auftaucht. Alle Gedanken und Gedankenbündel erscheinen im Bewusstsein (das du bist) ohne einen Denker. Ein Denker existiert nicht wirklich. Der vermeintliche Denker – der Jemand – entsteht, als virtuelles Konstrukt, infolge der Identifizierung mit dem Denkprozess. Es entsteht eine künstliche, objektbezogene Subjektivität. Niemand denkt, er sei ein Jemand, der denkt. Du denkst nur, dass du denkst. In Wirklichkeit wirst du gedacht, ES denkt dich. Da ist einfach nur Denken ohne Besitzer.

Du kannst anhand der Untersuchung erkennen, dass das Denken einfach ein Geschehen ist, welches nicht kontrolliert werden kann, weil bei genauem Untersuchen entdeckt wird, dass es keinen Kontrolleur gibt – ausser als Idee. Das Fazit ist also: Wenn du einen Gedanken wahrnimmst, der die Information trägt, etwas Bestimmtes kontrollieren zu wollen, dann ist diese Kontroll-Idee nicht eine willkürliche Entscheidung einer im Körper innewohnenden Entität, sondern ein spontanes Geschehen im unpersönlichen Bewusstsein. Verrückt nicht!? Und trotzdem erscheint es im alltäglichen Erleben scheinbar so, als ob ein Kontrolleur und somit ein freier Willen existiert.

Wir können weitere Untersuchungen mit den Gefühlen anstellen. Du kannst dir ja jetzt schon denken, wo dies hinführt – nicht wahr? Genau. So, wie beim Denken, so verhält es sich auch beim Fühlen. Finde den Fühler! Da ist nur Bewusstsein (das du bist) in dem Gefühle auftauchen, ohne einen Fühler. Der Fühler (das Ich oder der Jemand der fühlt), der die Gefühle als seine Gefühle bezeichnet, ist ein Gedankenprozess beziehungsweise die Identifikation mit den, sich auf die Gefühle beziehenden, Gedanken. Das Wahrnehmen eines Zentrums des Selbstempfindens bedeutet nicht, dass infolgedessen tatsächlich ein Jemand (ein Wesen) da ist. Natürlich wird ein Körper wahrgenommen, aber da steckt keiner (kein Ich, Individuum, Entität usw.) drin.

Es gibt nur unpersönliches Bewusstsein, das sich selbst eine scheinbare unabhängige, über freien Willen verfügende Person vortäuscht und sich selbst scheinbar in dieser Täuschung als das, was es in Wirklichkeit ist – unpersönliches Bewusstsein –, vergisst.

Das Leben lebt sich aus sich selbst heraus selbst – ohne die Notwendigkeit eines Kontrolleurs. Leben ist ein sich dynamisch selbstorganisierender Prozess des Daseins. Jede Art der eigenständig geglaubten Handlung ist eine vom Gehirn vorgetäuschte virtuelle Autonomie und in Wirklichkeit ein unpersönliches Funktionieren. Jede getroffene Entscheidung und ausgeführte Handlung resultiert aus entsprechenden Beziehungen zu einer unendlichen und totalen Vernetzung von Gegebenheiten und ist daher determiniert.


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Hallo, ich bin Reto, Lebenserforscher und Supporter. Ich liebe es, vom Leben getragen zu sein und es in all seinen Formen zu entdecken. Menschen zu unterstützen und mit ihnen über die Aspekte des Seins zu sprechen macht mir enorm Freude.