Essenz Herz Wirklichkeit

Das Auge des Zyklons

Tropische Wirbelstürme, so wie der Zyklon, können gigantisch gross werden und verheerende Zerstörung verursachen. Der Super-Zyklon Yasi (Jahr 2011) beispielsweise, formierte sich zu einem Durchmesser von ungefähr 1600 Km und sein Auge betrug etwa 30 Km. Er fegte mit einer Kraft von gut 260 Km/h Richtung Australien. Ein solches Wetterphänomen ist ein wunderschön anzuschauendes Spektakel, lässt man das Unglück, das es allenfalls mit sich bringt aussen vor. Die zirkulierenden Luftmassen lassen bei passender Konstellation ein sogenanntes Auge im Innern entstehen. Im Auge des Zyklons ist es beinahe windstill und ruhig. Ausserhalb jedoch, zirkuliert die geballte und zerstörerische Kraft, die das Potenzial in sich trägt, ganze Landstriche radikal umzuformen.

Auch Menschsein ist ein Schauspiel mit Potenzialen. Richtet der Mensch seine Aufmerksamkeit auf das Aussen, erlebt er Kräfte, die vieles bewegen können. Da rotieren Gedanken und es zirkulieren Emotionen. Ideen formieren sich zu Konzeptwolken im Geiste und Pläne werden umgestaltet. Der Gefühlswind bläst durch feste und weniger feste Persönlichkeits- und Lebensstrukturen und reist dabei schon mal das eine oder andere Gefüge mit sich. Diese zirkulären Kräfte erzeugen, wie bei einem Zyklon, eine sichtbare und dynamische Wesensstruktur. Im Zentrum jedoch ist Stille, ist es leer und friedlich – gleichgültig, wie heftig es an der Peripherie wütet. Wenn sich der Sturm beruhigt und sich auflöst, wenn sich die innewohnende Energie deaktiviert, löst sich nicht die Leere im Zentrum auf, sondern lediglich das rotierende Gebilde um das Herz herum. Das Herz, das Auge des Zyklons, existiert nur als sichtbares Zentrum, solange die aktivierte Energie das zirkulierende Wetterphänomen entstehen lässt. So auch im Menschsein. Das Wesen ist nur ein temporäres und scheinbares Gebilde, hervorgebracht durch rotierende Energieformen, welche ein Zentrum des Objekts entstehen lassen.

In Wirklichkeit ist da kein punktuelles Zentrum. Das Zentrum ist überall – alles ist Zentrum. Das Herz der Wirklichkeit ist überall und nirgends. Alles ist das Auge. Und weil in Wahrheit alles das Auge ist, kann sich das Auge selbst nicht sehen. Doch im Mensch-Werden simuliert sich das absolute Auge, das Herz der Wirklichkeit, selbst einen relativen Blickpunkt, durch das es scheinbar sichtbar wird. Es gibt in Wirklichkeit nur unbestimmte Leerheit, die sich vorgetäuscht als Etwas formiert.

Der Zyklon braust als scheinbares Phänomen durch sein eigenes, unbegrenztes sowie zeit- und zentrumloses Zentrum, welches selbst der vermeintliche Zyklon ist.


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Hallo, ich bin Reto, Lebenserforscher und Supporter. Ich liebe es, vom Leben getragen zu sein und es in all seinen Formen zu entdecken. Menschen zu unterstützen und mit ihnen über die Aspekte des Seins zu sprechen macht mir enorm Freude.